Laufsteg ohne Eitelkeiten

Es wird einem bei der Betrachtung des zentralen Objekts dieser Schau schnell klar, dass es sich um eine Art Laufsteg handelt und hier die zentrale Frage nach der KünstlerIn als sich zur Schau stellende Kunstfigur gestellt wird. Das seltsame Objekt das zentral im Galerieraum platziert und aufwendig mit diversen Öffnungen und Anhängseln versehen ist, dient hier nicht als Bühne für sich darauf in Szene setzende Menschen. Vielmehr ist es ein Unterbau, das Unbewusste, das Verborgene dessen, was wir dann als Kunstfigur zu sehen bekommen. Dass dieser aus Holz und gelbem Plexiglas erbaute Laufsteg sicher nicht als solcher zu nutzen ist, wird einem schon durch die Fragilität der Plexiglasoberfläche suggeriert. Zudem ist diese „Bühne” viel zu niedrig, um einen merklichen Effekt zu haben. Weiterlesen

Mit viel Liebe zum Menschen

Dass Kunst zunehmend auch als dokumentarisch-kommentierend verstanden wird, zeigt sich an den Arbeiten des 1964 geborenen Mehmet Emir besonders gut. Hier sind technisch sehr gut gemachte aber stets um das Motiv, sprich den portraitierten Menschen und weniger um die Form bemühte Fotografien zu sehen. Bilder von Menschen, die ein Leben leben, das uns westlich urban geprägten archaisch und fremd vorkommt. Besonders bezeichnend ist hier, dass einige der portraitierten Personen über 30 Jahre hinweg die selbe Kleidung zu tragen scheinen. Und bis auf etwas mehr Falten und weniger Haare, scheinen sich auch sonst manche – der in den 1980er Jahren und dann wieder 2015/16 portraitierten – Menschen kaum verändert zu haben. Weiterlesen

Wenn der Horizont bröckelt

Es sind die massiven Betonblöcke – wie Leinwände an der Wand hängend, mit fotorealistischem Himmel bemalt – die in der Ausstellung von Adam de Neige sofort auffallen. Das Blau ist echtes Lapislazuli-Blau, das in vergangenen Zeiten den Herrschern und Mächtigen vorbehalten war und das tatsächlich eine ganz besondere Schönheit und Reinheit zu vermitteln mag.

Dass diese Blöcke zu bröckeln und der Himmel abzuplatzen scheint, ja weite Teile bereits verschwunden sind und einem Armierungsgitter Platz gemacht haben, wirkt in der momentanen politischen Situation in Europa wie ein kritischer Kommentar. Die Opposition von Himmel – als Symbol unendlicher Weite – und Beton – mit all seiner Schwere, seinen ab- und ausgrenzenden Eigenschaften –, bekommt hier gerade durch die Zerstörung der schönen Oberfläche eine besondere Relevanz. Die Freiheit, die allerorts in unserer Gesellschaft beschworen wird, entpuppt sich für weniger privilegierte schnell als falscher Horizont. Die vermeintliche Idylle als Gefängnis. Weiterlesen

Unheimlich kuschelige Kunst

Auf den ersten Blick ist es ein beinahe niedliches Fellhäufchen, das zentral auf dem Boden der Galerie platziert sofort unsere Aufmerksamkeit erregt. Bei genauerem Hinsehen wird einem aber doch etwas unbehaglich angesichts des weißen, augenlosen Monsters, das hier ganz in der bekannten Eisbären- oder Tigerfell-Manier scheinbar harmlos am Boden herumliegt. Nur hatten diese Trophäen wie wir spätestens seit der legendären „Dinner for One”-Aufnahme mit Freddie Frinton und May Warden aus 1963 wissen, auch die Funktion den reibungslosen Ablauf des alltäglichen Lebens zu stören und etwas Unberechenbarkeit und einen wohligen Schauer ins behagliche Heim zu bringen. Nicht unähnlich geht es einem mit der Installation der 1982 in Moskau geborenen Künstlerin, welche weder klar definierte Objekte, noch in Worte fassbare Themen erkennen lässt. Man meint sich in einem surrealen Interieur ohne erkennbare Möbel zu befinden und dennoch geht eine eigenartig behaglich-unheimliche Stimmung von diesen Objekten aus. Weiterlesen

Kolossal gescheitert

Wenn ein als moderner Skulpturenpark geplanter Autobahnabschnitt erwartungsgemäß von der Gewalt des Faktischen überrollt wird, dann ist es umso wichtiger, dass es KünstlerInnen gibt, die diesem ein kritisches Denkmal setzen. Entlang einer wichtigen Stadtautobahn riesige Betonskulpturen zu errichten, kann als Versuch gelesen werden, dem zügellosen Kapitalismus einen Hauch von Utopie und Feinsinnigkeit entgegen zu setzen. In der nun gezeigten Videoarbeit der 1983 in Rijeka geborenen Luiza Margan klettert eine junge Frau auf jene symbolhaften Objekte, die 1968 unter dem Namen „Ruta de la Amistad” (Weg der Freundschaft) im Rahmen der Olympischen Spiele in Mexico City errichtet wurden. Dass diese gewaltigen Skulpturen im Straßengewirr der mexikanischen Metropole beinahe unscheinbar und verloren wirken und daher an einen anderen Ort versetzt werden müssen, zeigt sehr schön, wie sehr gerade Kunst vom Kontext abhängig ist. Weiterlesen

Wiener Pop

Selten ist es so klar und eindeutig wie in der Ausstellung von Gabriele Edlbauer, dass diese Kunst aus Wien stammen muss. Denn hier werden die fast schon ikonischen und in Wien omnipräsenten „Hängemistkübel” in klassischer Pop-Art Manier aus Formmasse nachgebaut und zum Kunstobjekt erklärt. Dass hier nicht nur bei der Technik sondern auch bei der Wahl der Themen und Objekte Claes Oldenburgs Oevre einen wichtigen Einfluss hatte, ist angesichts der dennoch unverwechselbaren Ausformung dieser Objekte sicher kein Schaden. Weiterlesen

Von der
(Un)Möglichkeit moderner Utopien

Kunst war immer schon eine alternative Möglichkeit, die Welt und ihre Phänomene zu verstehen und zu deuten. Dass dieser Aspekt in der Gegenwart aber mehr und mehr in den Fokus des Geschehens gerückt wird, zeigt sich besonders deutlich in der Schau der 1982 geborenen Künstlerin Marlies Poeschl.

Zwei Fotoarbeiten, scheinbar Stöcke vor neutralem Hintergrund abbildend, veranschaulichen die ästhetische Sicherheit, die Poeschl in ihren Arbeiten bereits erreicht hat. Dennoch liegt der Fokus der Künstlerin klar auf dem künstlerisch-dokumentarischen Erforschen des Unbekannten. Weiterlesen

Bildchen, Bildchen an der Wand …

Eigentlich kann eine technisch so traditionelle Schau nicht mit weniger auskommen: Schließlich sind hier nur eine Serie von sieben winzigen Bildchen und ein Regalbrett mit einer Hand voll vasenähnlichen Objekten nebst Infomaterial zu sehen. Dass auch eine Wand tapetenähnlich mit marmoriertem Papier bezogen wurde, merkt man erst auf den zweiten Blick. Weiterlesen

Kunstvolle Klecksererei

Es ist immer wieder erstaunlich, dass es auf dem Gebiet der Malerei und der Zeichnung – auch über hundert Jahre nach Malevichs Schwarzem Quadrat – noch immer völlig neue Ansätze gibt. Die in dieser Schau gezeigten Arbeiten bieten die Gelegenheit einen solchen sehr eigenständigen, ja singulären, Ansatz kennen zu lernen. Weiterlesen

Fundstücke aus dem Fernwehland

Jeder Mensch kennt diese Momente, in denen man besonders intensiv zu leben scheint, in denen wir plötzlich für einige Augenblicke mit uns selbst zufrieden und mit der Welt im Reinen sind. Solche Momente scheint der 1984 in Oberösterreich geborene Künstler – auf ebenso witzige wie einprägsame Weise – festhalten zu wollen. Es sind Fundstücke, klassische „objets trouvés”, die in Schaukästen präsentiert teilweise Diaramen ähneln. Ergänzt werden sie um überdimensional ausgedruckte Zeichnungen und kleine Figuren, welche außen auf den Schaukästen angebracht wie Kommentare in einer nonverbalen Sprache wirken. So lässt uns der Künstler scheinbar an seinem Leben oder zumindest bestimmten Momenten daraus teilhaben. Weiterlesen

Im Paralleluniversum der alten Post

Es gibt für KuratorInnen und SammlerInnen wohl kaum etwas spannenderes, als ein Irrgarten voller bisher unbekannter Kunstwerke. Genau das versucht die nunmehr im dritten Jahr stattfindende alternative Kunstmesse „Parallel Vienna”: eine Plattform für junge, noch nicht etablierte Kunst in spannendem Ambiente und eine echte Alternative zum etablierten „Messegeschehen” zu sein. Dass diese beiden Ziele nicht immer so leicht vereinbar sind, liegt auf der Hand und so findet man im an sich bereits sehr sehenswerten Gebäudekomplex der Alten Post auch Exposituren renommierter Galerien wie etwa Krobath mit einer Auswahl von Arbeiten Otto Zitkos neben Artist’s Statements von Lia Gulua oder Wolfgang Lehrner. Weiterlesen