Laufsteg ohne Eitelkeiten

Es wird einem bei der Betrachtung des zentralen Objekts dieser Schau schnell klar, dass es sich um eine Art Laufsteg handelt und hier die zentrale Frage nach der KünstlerIn als sich zur Schau stellende Kunstfigur gestellt wird. Das seltsame Objekt das zentral im Galerieraum platziert und aufwendig mit diversen Öffnungen und Anhängseln versehen ist, dient hier nicht als Bühne für sich darauf in Szene setzende Menschen. Vielmehr ist es ein Unterbau, das Unbewusste, das Verborgene dessen, was wir dann als Kunstfigur zu sehen bekommen. Dass dieser aus Holz und gelbem Plexiglas erbaute Laufsteg sicher nicht als solcher zu nutzen ist, wird einem schon durch die Fragilität der Plexiglasoberfläche suggeriert. Zudem ist diese „Bühne” viel zu niedrig, um einen merklichen Effekt zu haben.

Spannend an dem Objekt ist viel mehr, was sich unter ihm befindet: Hier herrscht ein Wirrwarr aus Kabeln, Neonröhren, Drähten und sonst noch allerhand teilweise undefinierbarem Zeug, wodurch der Eindruck eines unklaren, aber umso spannenderen „Unterbaus” entsteht.

Dass dann noch ein durchsichtiges Kleidungsstück – nur mit Drähten zu einer Körperform erweitert – daneben an einer Stange baumelt, fügt sich sehr gut in das Bild von einem Catwalk ohne ProtagonistIn dafür mit umso mehr Tiefgang. Hier wird subtil mit den Erwartungshaltungen des Kunstmarktes gespielt, der oft an eine Castingshow erinnert, immer schneller Neues fordert. Der Künstler, und in besonderem Maße auch die Künstlerin, ist gezwungen auf diesen Laufsteg „aufzuspringen”. Dies zu thematisieren scheint der erste Schritt der Emanzipation einer ganzen Generation von Kunstschaffenden zu sein und stimmt vorsichtig optimistisch.

Die Installation wurde von der 1990 in Wien geborenen Stephanie Kaiser in Kooperation mit Marc-Ingraban Aristide Medicus und Wolfgang Matuschek errichtet. Sie hat eine ausgeprägte „Trash-Ästhetik” und bis auf die anscheinend unverzichtbaren, aber eher langweiligen„Bilder” an den Wänden, auch keinen eindeutigen Kunstbezug. Das trägt in diesem Fall zur Stimmigkeit bei und könnte sogar als weiteres kritisches Statement den sogenannten Kunstmarkt betreffend gewertet werden.

Stephanie Kaiser – Dogs’n Fools
2. bis 29.9.2016
Startgalerie im MUSA
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 11-18, Do 11-20, Sa 11-16 h

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