Von der
(Un)Möglichkeit moderner Utopien

Kunst war immer schon eine alternative Möglichkeit, die Welt und ihre Phänomene zu verstehen und zu deuten. Dass dieser Aspekt in der Gegenwart aber mehr und mehr in den Fokus des Geschehens gerückt wird, zeigt sich besonders deutlich in der Schau der 1982 geborenen Künstlerin Marlies Poeschl.

Zwei Fotoarbeiten, scheinbar Stöcke vor neutralem Hintergrund abbildend, veranschaulichen die ästhetische Sicherheit, die Poeschl in ihren Arbeiten bereits erreicht hat. Dennoch liegt der Fokus der Künstlerin klar auf dem künstlerisch-dokumentarischen Erforschen des Unbekannten.

Es ist allerdings weniger die den gesamten Raum dominierende Videoinstallation, sondern vielmehr ein recht unscheinbarer Bildschirm am hinteren Ende der Galerie, der mit seinem Video „verlorener Horizont” am meisten beeindruckt. Hier wird das nahe Shanghai gelegene – seit einiger Zeit verlassene – Cultural Village portraitiert. Dabei macht Poeschl sehr anschaulich klar, dass – so schön die Idee des harmonischen Zusammenlebens auch sein mag – eine solche Utopie nur ohne Menschen, die sie leben müssten, ihren Zauber behält. Die verlassenen Gebäude und die verstreuten Relikte eines scheinbar einst regen Treibens in diesem „Utopia” kontrastieren und harmonieren gleichzeitig mit der darüber gelegten Tonspur in der die Idee dieser Stadt erläutert zu werden scheint.

Allerdings wirkt dieses verlassene Dorf, welches zur Verherrlichung einer Ideologie gebaut wurde, gerade in seiner Leere besonders stark und so entwickeln die Ideen von Mäßigung und friedlichem Miteinander geradezu magische Anziehungskraft. Ebenso wie sich hier die anfänglich klare Diskrepanz zwischen dem Gesprochenen und dem Gezeigten allmählich aufzulösen beginnt entdeckt man in den oben erwähnten Bildern bei genauerer Betrachtung Drahtgeflecht in den vermeintlichen Ästen und das scheinbar Gewachsene entpuppt sich als Gebautes, von Menschen Gewolltes.

So schonungslos und dennoch liebevoll einfühlend kann nur Kunst bisher Unbekanntes näher bringen und komplexe Themen verhandeln ohne eindeutige Antworten geben zu wollen. Insofern sei diese Schau besonders jenen empfohlen, welche bisher wenig bis gar keinen Zugang zu der immer stärker vertretenen dokumentarischen Strömung in der Gegenwartskunst gefunden haben.

Marlies Poeschl – Fieldwork/Homework
Startgalerie im MUSA
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 11-18, Do 11-20, Sa 11-16 h
18.12.2015 bis 21.1.2016

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