Der Künstler mit der Maus

Oder wie sich Claes Oldenburgs Kunst Comic-Elemente aneignet

Der mit Performances und Installationen berühmt gewordene Pop Art-Künstler Claes Oldenburg verwendet Comics als wesentliche Inspirationsquelle, aber auch als besonders signifikantes Element der Populärkultur in seinen Arbeiten. Da gerade das Comic aufgrund seiner Beschaffenheit ein der Bildenden Kunst besonders nahe stehendes Phänomen der Alltagskultur ist, dient es in der Pop Art als integrierendes Element. Im folgenden werde ich dies anhand der aktuellen Schau „The Sixties” von Claes Oldenburg im MUMOK zu zeigen versuchen, da sich an seinen Werken wunderbar illustrieren lässt, wie sich die radikale Avantgarde das Comic als besonders egalitäre Kunstform aneignet. Weiterlesen

Steine begreifen

Karl Prantl in der Galerie Ulysses

Man könnte es als eine Art Miniatur-Retrospektive bezeichen, diese Schau mit – für das Werk Prantls – representativen Steinen und Zeichnungen. Letztere sind auch die Sensation der Ausstellung, zeigt sich doch an diesen in seinen Studienjahren entstandenen Blättern, dass ein veritabler Zeichner hinter dem berühmten Bildhauer steckte. Die im legendären „Abendakt” bei Boeckl an der Akademie der bildenden Künste entstandenen Aktzeichnungen erinnern beinahe an Klimts feinlinige Skizzen aus der Zeit um 1900, haben aber eine Offenheit im Gestus der erst Jahrzehnte später möglich wurde. Weiterlesen

Deborahs kleiner Horrorladen

Aktuelle Arbeiten von Deborah Sengl derzeit in der Galerie Wolfrum

Der obere Stock der Galerie im ehemaligen Palais Lobkowitz ist mit seinen unzähligen alten Schubkästen und der dunklen Einrichtung ein Relikt aus vergangenen Zeiten. In diesem Graphikkabinett kommen die eher kleinformatigen Arbeiten von Sengl besonders gut zur Geltung, vor allem wenn sich das gezeigte „Bestiarium” (hauptsächlich Originalzeichnungen für das Buch „Nadelstreif und Tintenzisch”) über einem Konvolut an zoologischen Drucken des 19. Jahrhunderts befindet. Weiterlesen

Wenn Kunst auf eine Kuhhaut geht

Anneliese Schrenk mit „66” in der Startgalerie im MUSA

Schon die an einen Westernsaloon gemahnende mit wunderbar weichem Leder bespannte Schwingtüre am Eingang der Ausstellung lässt einen kurz innehalten und die einzigartige Materialität dieses Objektes bewundern. Die anderen Arbeiten aus dem selben Material lassen durch das Fehlen jeder Funktion noch einmal bewusster wahrnehmen wie unglaublich vielfältig so ein Stück Leder ist. Die Objekte und Bilder rücken trotz oder vielmehr gerade wegen ihrer an Minimal Art gemahnenden reduzierten Form die Qualität der Verarbeitung und die subtile Vielfalt der Lederoberfläche in den Vordergrund. Dass es sich aber auch bei den wie Tafelbilder an der Wand hängenden flachen Objekten nicht um gestaltete Flächen, sondern um dreidimensionale Körper handelt, wird durch die Verwendung des Materials Leder hervorgehoben. Weiterlesen

Hecke in Drosendorf

Das Phänomen, dass Bäume oder andere große Pflanzen – wie hier diese Hecke – oft wie versteinerte, nein besser, sich mikroskopisch langsam bewegende Personen wirken, beschäftigt mich seit längerem. Ich sehe auf meinen Spaziergängen immer wieder solche Figuren und mancher charakteristische Baum auf meinen Spazierwegen ist zu einem stummen Freund geworden. Umso mehr tut es dann weh, wenn dieser eines Tages einfach verschwunden ist, von dem Ort den er in vielen Fällen hunderte Jahre mitgeprägt hat. Diese Seite wird daher immer wieder auch Bilder und Würdigungen solcher „Freunde” beinhalten.

HeckeHecke

Diese Hecke steht gleich beim Schloss Drosendorf, einem wunderschönen barockisierten Stadtschloss in der ehemaligen Grenzstadt Drosendorf (übrigens eine der wenigen Städte mit vollständig erhaltener Stadtmauer) wo ich das Vergnügen hatte an einem Seminar von Wolfgang Müller-Funk teilnehmen zu können. Der Ort der aktuell nur einige hundert EinwohnerInnen zählt ist übrigens ein absoluter Geheimtipp!

Nichts zu verlieren?

Deborah Sengl mit „All you can loose” in der Galerie Steinek

Nachdem Deborah Sengl seit einigen Jahren mit stets satirischen Darstellungen des Tiers im Menschen uns einen – selten schmeichelhaften – Spiegel vorhält ist es nicht weiter überraschend wenn sie in ihrer aktuellen Schau den Fitness- und Schlankheitswahn aufs Korn nimmt. Zu sehen sind Menschen mit Schweinköpfen, die auf den diversesten Fitnessgeräten mehr oder weniger elegant versuchen „ihre Speckschwarten loszuwerden”. Weiterlesen

Objektphilosophie

– oder vom gekonnten Umgang mit Assoziationen
Bernhard Hosa mit „Zero“ in der Startgalerie im MUSA

Die gezeigte raumfüllende Installation von Bernhard Hosa dominiert ein Objekt aus Holzstaffeln und Gipsplatten, das zwei miteinander am Boden verbundene Türme formt, in die jeweils ein Baseball wie ein Komet „eingeschlagen“ zu sein scheint. Assoziationen mit den Twin Towers und „9/11“ sind gerade wenn man den gemeinsamen Titel der Ausstellung und Installation sowie die Bezugnahmen auf eine „Zero tolerance“-Politik in New York im Begleittext mitdenkt, sicher nicht gänzlich falsch. Hier wird – so scheint es – subtil, aber klar verständlich ein Zusammenhang zwischen rechter „Law and Order“ Politik und den bisher schlimmsten Terroranschlägen der jüngeren Geschichte hergestellt, ohne daraus eindeutige Schlussfolgerungen oder gar eine Moral abzuleiten. Weiterlesen