Nichts zu verlieren?

Deborah Sengl mit „All you can loose” in der Galerie Steinek

Nachdem Deborah Sengl seit einigen Jahren mit stets satirischen Darstellungen des Tiers im Menschen uns einen – selten schmeichelhaften – Spiegel vorhält ist es nicht weiter überraschend wenn sie in ihrer aktuellen Schau den Fitness- und Schlankheitswahn aufs Korn nimmt. Zu sehen sind Menschen mit Schweinköpfen, die auf den diversesten Fitnessgeräten mehr oder weniger elegant versuchen „ihre Speckschwarten loszuwerden”. So scheint Sengl in ihren Werken mit der sich aufdrängenden Assoziation der „fetten Sau” zu spielen. Dass diese Fleischbeschau trotzdem nicht ins vulgär-komische abdriftet ist dem sensiblen Umgang mit dem Sujet und dem kompositorischen Geschick der Künstlerin zu verdanken. Denn bei aller Lächerlichkeit sind es doch stets nur die Stereotypen und nie die Menschen als Individuen, die hier bloßgestellt werden.

Es hat eine zwingende Logik warum hier nicht menschliche Gesichter sondern Tierköpfe auf Menschenkörpern zu sehen sind. Nur so kann es keinen Zweifel geben, dass es hier um etwas Allgemeineres, ein weit verbreitetes gesellschaftliches Phänomen geht. Wie in den klassischen Fabeln werden hier menschliche Verhaltensweisen hinterfragt, ohne die Menschheit an sich oder gar bestimmte Personen zu verletzen. Implizit scheint Sengl auch auf menschliche Eitelkeiten hinzuweisen, oder das Bestreben einer sozialen Norm entsprechen und sich in der unauffälligen Mitte der Gesellschaft befinden zu wollen.

Dass die übergewichtige menschliche Figur mit Schweinekopf auf einem Hometrainer, die als einzige Skulptur gezeigt wird, nicht so fein-ironisch wie die Zeichnungen der Schau wirkt, ist zwar schade, aber nur so kann sie ihre Funktion als Eye-Catcher und medienwirksames Sujet erfüllen. Dass die Künstlerin hier zwar auf der Höhe ihres Könnens eine sehenswerte Ausstellung zeigt, ändert nichts an der Frage ob und wie sich das Werk dieser Ausnahmekünstlerin weiterentwickeln wird. Denn um frei interpretiert mit Erich Fried zu schließen: „Wer will, dass die Kunst bleibt wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.”

Wolfgang Pichler