Wenn Kunst auf eine Kuhhaut geht

Anneliese Schrenk mit „66” in der Startgalerie im MUSA

Schon die an einen Westernsaloon gemahnende mit wunderbar weichem Leder bespannte Schwingtüre am Eingang der Ausstellung lässt einen kurz innehalten und die einzigartige Materialität dieses Objektes bewundern. Die anderen Arbeiten aus dem selben Material lassen durch das Fehlen jeder Funktion noch einmal bewusster wahrnehmen wie unglaublich vielfältig so ein Stück Leder ist. Die Objekte und Bilder rücken trotz oder vielmehr gerade wegen ihrer an Minimal Art gemahnenden reduzierten Form die Qualität der Verarbeitung und die subtile Vielfalt der Lederoberfläche in den Vordergrund. Dass es sich aber auch bei den wie Tafelbilder an der Wand hängenden flachen Objekten nicht um gestaltete Flächen, sondern um dreidimensionale Körper handelt, wird durch die Verwendung des Materials Leder hervorgehoben.

Nicht nur, dass dieses Material durch seine Vorgeschichte als Haut eines Tieres besonders gut geeignet ist, einem scheinbar streng geometrisch konstruierten Objekt so etwas wie Leben und Bedeutungstiefe zu verleihen, wird das „Betrachten“ der Schau auch zu einem Tast- und vor allem Geruchs-Erlebnis. Dass dies geradezu organisch aus den Arbeiten und ihrem Material heraus entsteht und nicht als Effekt inszeniert ist, macht viel von der Qualität des Gezeigten aus.

Eine, in ihrer aus gestapelten Kuben bestehenden Form, stark an die Arbeiten Donald Judds erinnernde, frei im Raum stehende dunkelbraune Skulptur, an deren Kanten man die Präzision der Verarbeitung besonders gut sehen kann bildet zweifelsohne den Höhepunkt der Schau.

Stimmig ins Gesamtbild passend, wenn auch weniger außergewöhnlich sind die Plastiken aus gealtertem und verbranntem Holz. Auch bei diesen Objekten wird nicht nur der Sehsinn, sondern es werden auch Geruchs- und Tastsinn angesprochen und auch hier trägt das Material mit seiner Geschichte zur Tiefe der Werke bei.